Renault in der Elektrostunde: Der Diamant legt einen anderen Gang ein

Es gab eine Zeit, in der Renault der Hersteller war, der sich als erster vollständig auf Elektromobilität wagte – mit dem Zoé, diesem kleinen blauen Stadtauto, das zu einem der meistverkauften Elektrofahrzeuge Europas wurde. Doch seitdem hat sich die Welt verändert: Die Chinesen sind mit ihren Schnäppchenpreisen angekommen, die europäischen Vorschriften haben sich weiterentwickelt, und die Kunden haben manchmal gezögert. Also hat der Hersteller mit der Raute 2026 mit seinem großen strategischen Plan futuREady die Uhren neu gestellt – eine ehrgeizige Roadmap zur radikalen Umgestaltung seines Elektrikabgebots bis 2030. Und das Mindeste, das man sagen kann, ist, dass er es nicht halb macht.
Von Renaulution zu futuREady: Kontinuität im Ehrgeiz
Um die aktuelle Strategie zu verstehen, muss man zunächst daran erinnern, dass Renault nicht aus dem Nichts kommt. Der 2021 unter der Leitung von Luca de Meo gestartete Plan Renaulution hatte den Konzern bereits tiefgreifend umstrukturiert: Rückkehr zur Rentabilität, Hochstufung des Portfolios, Gründung von Ampere (die Tochtergesellschaft für Elektromobilität) und eine Reihe von erfolgreich eingeführten Modellen – insbesondere der Renault 5 E-Tech Electric, ein echter kommerzieller Hit, der Anfang Dezember 2025 die Marke von 100.000 montierten Einheiten im Werk Douai erreichte.
Mit der Ankunft von François Provost an der Spitze des Konzerns wurde die Strategie verfeinert, nicht aufgegeben. Der neue Generaldirektor hat ein klares Leitprinzip aufgestellt: das Produkt vom Kunden aus entwickeln und gleichzeitig die Disziplin auf der Grundlage von Wert statt Volumen stärken. Mit anderen Worten: vorbei sind die Zeiten, in denen man um jeden Preis Marktanteile erringen wollte – jetzt geht es um nachhaltige Rentabilität und erschwingliche Elektromobilität.
futuREady: 36 Modelle in fünf Jahren, davon 16 elektrische
Der im März 2026 offiziell vorgestellte Plan futuREady stellt die ehrgeizigste Roadmap in der jüngeren Geschichte der Raute dar. Renault plant, 36 neue Modelle zwischen 2026 und 2030 einzuführen, davon 16 rein elektrische – also mehr als die 32 Modelle, die zwischen 2021 und 2025 auf den Markt gebracht wurden. Das ist ein beeindruckend hohes Tempo für einen Generalisten.
Das quantifizierte Ziel ist klar: Bis 2030 strebt die Marke Renault 100 % elektrifizierte Verkäufe in Europa an, während 50 % der Verkäufe außerhalb Europas ebenfalls elektrifiziert sein sollten.
Ein bereits gut ausgestattetes Elektroprogramm
2026 kann Renault auf ein konsistentes Elektroprogramm zählen: der Mégane E-Tech, der Renault 5, der Scénic E-Tech und der Renault 4 E-Tech, wobei der Twingo noch folgt. Letzterer stellt wohl die symbolträchtigste Offensive dar: Der auf der Plattform AmpR Small aufgebaute Twingo E-Tech Electric ist mit einem Motor von 60 kW und einer Batterie von 27,5 kWh ausgestattet und bietet eine angekündigte Reichweite von 263 km im WLTP-Zyklus für weniger als 20.000 Euro. Bei diesem Preis ist es schwer, ein Argument gegen Elektromobilität zu finden.
Technologie im Zentrum des Wettbewerbs
Wenn Renault gegen asiatische Hersteller bestehen will, kann es sich nicht auf schöne Karosserien beschränken. Die Antwort ist technologisch, und der Konzern steht dazu.
Modulare Plattformen zur Kostenkontrolle
Alle Personenkraftwagen, die im Rahmen von futuREady geplant sind, werden auf vier Plattformen entwickelt, darunter die RG EV Small, Basis der „Auto des Jahres" 2025. Diese Modularisierung ist entscheidend, um Entwicklungskosten zu senken und Produktzyklen zu beschleunigen.
Das softwaredefinierte Fahrzeug
Eines der aufregendsten Projekte des Plans ist das SDV – Software-Defined Vehicle, das softwaredefinierte Fahrzeug. Es wird das erste europäische SDV sein, das 2026 auf den Markt kommt, das erste Automobil-Betriebssystem basierend auf Android in Partnerschaft mit Google. Dank der Skalierbarkeit dieser Architektur erfolgen die meisten Updates drahtlos (Over-the-Air), wodurch die Markteinführungszeit neuer Funktionen um die Hälfte verkürzt wird. Kurz gesagt: Ihr Renault wird sich wie ein Smartphone weiterentwickeln.
Batterien der nächsten Generation
Der Konzern arbeitet insbesondere an Batterien, die in zehn Minuten aufgeladen werden können, sowie an Elektromotoren ohne Seltene Erden, die in Europa entwickelt und hergestellt werden. Eine direkte Antwort auf die Herausforderungen der industriellen Souveränität in einem Kontext, in dem die Abhängigkeit von chinesischen Rohstoffen zunehmend hinterfragt wird.
Weder naiv noch dogmatisch: Realismus als Kompass
Was Renaults Strategie von einem Alles-oder-Nichts-Spiel unterscheidet, ist sein bekannter Pragmatismus. Das Wachstum des Elektrofahrzeugmarkts erwies sich als langsamer als erwartet, und die Europäische Union hat ihre Vorschriften gelockert, indem sie nach 2035 bestimmte Hybridtechnologien zulässt. Renault hat sein Ziel daher auf elektrifizierte Antriebe insgesamt ausgeweitet und plant, Hybridmodelle in Europa nach 2030 beizubehalten.
Man verlässt also nicht die Kunden, die noch nicht bereit für reinen Elektroantrieb sind – und das ist eine kluge Entscheidung.
Made in France: der Industrievorteil
Ein oft unterschätzter Eckpfeiler der Renault-Strategie ist die lokale Produktion. Drei Leitmodelle – Renault 5, Renault 4 und Mégane E-Tech – werden im Ampere ElectriCity-Industriepol in Douai und Maubeuge in Nordfrankreich hergestellt. Diese Wahl erfüllt die Anforderungen des CEE-Systems, das die Zuschüsse für Käufer von in Europa montierten Fahrzeugen erhöht. Ergebnis: Der Twingo E-Tech wird für Haushalte in Energieprekarität ab 13.750 Euro zugänglich.
Die Raute in Pole Position?
Renault spielt sein Spiel mit einer seltenen Kohärenz in der Automobilindustrie. Während andere Hersteller zurückweichen, zögern oder abwarten, geht die Raute methodisch voran: erweitertes Angebot, Durchbruchtechnologie, souveräne Produktion, erschwingliche Preise.
„Elektromobilität ist gut für den Kunden und es geht nicht darum, zur Verbrennung zurückzukehren. Das Problem ist nicht der Antrieb, sondern sein Preis", sagt François Provost. Es ist schwer, dieser Philosophie nicht zuzustimmen.
Die Herausforderung der kommenden Jahre wird darin bestehen, diesen rasanten Rhythmus von 36 Modellen in fünf Jahren beizubehalten und gleichzeitig die Rentabilität zu bewahren. Aber wenn der Renault 5 eines bewiesen hat, dann ist es, dass das französische Auto wieder die ganze Welt in Verzückung versetzen kann, wenn Renault sich bemüht, Emotionen mit gesundem Menschenverstand zu verbinden.
Finden Sie alle Broschüren der Renault-Elektroflotte in unserem Katalog: Twingo E-Tech, Renault 5 E-Tech und Renault 4 E-Tech – kostenlos zum Download.


