MG4 EV Urban: Der elektrische Kompaktwagen, der unter 20.000 € alles verändert

MG: hundert Jahre Legende, eine 100 % elektrische und chinesische Zukunft
Bevor wir ins Thema einsteigen, ist ein kurzer Blick auf die Geschichte notwendig. MG — Morris Garages — ist eine britische Marke, die 1924 in Oxford gegründet wurde und lange Zeit mit sportlichen Roadster und erschwinglichen Kleinst-Sportwagen verbunden war. Nach der Übernahme durch den chinesischen Konzern SAIC Motor fungiert sie heute als dessen offensive Speerspitze auf dem europäischen Markt. Ein bewusster Comeback: Seit ihrer Renaissance in Frankreich Ende 2022 hat MG über 100 000 Verkäufe erreicht. Mit anderen Worten: Die Marke mit dem roten Achteck ist keine exotische Kuriosität mehr — sie ist ein glaubwürdiger, etablierter Akteur, der solide technische Argumente zu Preisen anbieten kann, die etablierte europäische Hersteller erröten lässt.
Die MG4 EV, die im Juli 2022 in Europa auf den Markt kam, hatte bereits die Grundlagen für diesen Erfolg gelegt. 2023 verkaufte sie sich besser in Frankreich als der französische Renault Mégane E-Tech und Peugeot e-308, und setzte sich sogar als erste importierte kompakte Limousine über alle Antriebsarten hinweg durch. Der Urban kommt, um das Spektrum noch weiter zu erweitern.
Eine große Schwester auf der E3-Plattform
Die MG4 EV Urban ist keine einfache Stretchversion. Sie basiert auf der E3-Plattform, die sich von der der Standard MG4 unterscheidet und die Cell-to-Body-Technologie integriert: Die Batterie ist direkt in die Fahrzeugstruktur eingebaut, senkt den Schwerpunkt, erhöht die Fahrzeugsteifigkeit und maximiert den Platz an Bord. Ein technisches Erbe, das in großem Maße die großzügigen Innenraumproportionen erklärt.
Äußerlich sprechen die Abmessungen für sich selbst: 4,40 m Länge (11 cm mehr als die MG4), 2,14 m Breite einschließlich Außenspiegel, 1,55 m Höhe, mit einem Radstand von 2,75 m. Das ist eindeutig das Format einer echten Familien-Kompaktklasse. An Bord profitieren die Fondpassagiere von 984 mm Beinfreiheit und 957 mm Kopffreiheit — Werte, die einer oberen Mittelklasse-Limousine würdig sind. Der Kofferraum bietet 480 Liter unter der Ablage, wovon 98 Liter in einem Fach unter dem Boden untergebracht sind, erweiterbar auf 1 364 Liter bei umgeklappter Rückbank. Genug Platz, um das Gepäck der ganzen Familie zu verstauen, ohne Tetris spielen zu müssen.
Stilistisch erhält die Frontpartie dreieckige LED-Scheinwerfer mit dreigeteilter Lichtsignatur und einen Stoßfänger, der vom Cabriolet Cyberster inspiriert ist. Hinten sorgt ein großer horizontaler 3D-Lichtstreifen, direkt vom Roadster MG Cyberster übernommen, für eine markanten Präsenz in der Nacht. Das Profil bleibt dezent — sagen wir eher konsensuell — aber die Details sind sorgfältig ausgearbeitet.
Drei Versionen, zwei Batterien, eine Ambition
Die Baureihe gliedert sich in drei Konfigurationen um zwei LFP-Batterien (Lithium-Eisenphosphat), eine Chemie, die für ihre Langlebigkeit und schnelle Ladeperformance bekannt ist. Die Einstiegsversion hat ein 43-kWh-Paket mit 149 PS und 325 km WLTP-Reichweite. Das Mittelfeld und die Topausstattung teilen sich die 54-kWh-Batterie mit 160 PS, für 416 km in der Comfort-Version und 405 km in der Premium-Ausführung. Das Drehmoment beträgt in allen Fällen 250 Nm, mit einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 9,5 Sekunden und einer Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h — völlig kohärent für die angestrebte tägliche Nutzung.
Beim Laden zeigt sich der Urban seriös: bis zu 87 kW Gleichstrom, was einen Durchsatz von 10 auf 80 % in etwa 28 Minuten ermöglicht. Die Wärmepumpe ist auf allen Versionen serienmäßig — ein nicht unerheblicher Punkt unter französischen Breitengraden. An Bord steht ein zentrales 12,8-Zoll-Display neben einem 7-Zoll-Digital-Kombiinstrument hinter dem Lenkrad. Es gibt eine echte Neuheit für die Marke: Der Gangwähler wandert auf die Lenksäule, wodurch die Mittelkonsole frei für mehr Stauraum und physische Schnellzugriffstasten wird. Insgesamt dreißig Stauraumfächer. Praktisch bis zur Besessenheit.
Das Preis-Pokerspiel
Die Katalogpreise schwanken zwischen 24 995 € und 30 495 €. Aber bis zum 30. Juni 2026 gewährt MG einen Einführungsrabatt von 5 005 €, wodurch der Einstiegspreis auf 19 990 € sinkt — ein absolutes Novum in diesem Segment. Zum Vergleich: Der Renault Mégane E-Tech beginnt bei 39 500 €, der Peugeot e-308 bei 42 600 €, der Volkswagen ID.3 bei 39 990 €. Der Unterschied ist riesig, auch wenn man die verfügbaren Prämien für europäische Modelle abzieht. Die Herstellergarantie von 7 Jahren oder 150 000 km verstärkt das Angebot noch weiter. MG sendet damit ein starkes Signal an den gesamten Markt: Bezahlbare Elektromobilität ist nicht mehr ein Versprechen, sie ist Realität — und MG legt nun den Referenzpreis fest.
Die Kompaktklasse, die den Maßstab neu definiert
Die MG4 EV Urban ist nicht fehlerfrei: Der Stil bleibt dezent, und das Fehlen des Ökobonus für chinesische Modelle wiegt in der Bilanz. Aber ihre Argumente sind schwer zu widersprechen — großzügiger Platz, solide Reichweite, schnelles Laden, Wärmepumpe im Lieferumfang und ein Preis, der die Karten des Segments neu mischt.
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