Opel Manta: Das Volks-Coupé, das zur Ikone wurde (und zur Rallye-Legende)

Nicht alle kultige Autos werden im Luxus geboren. Manche entstehen aus einer ganz einfachen Idee: vielen Menschen ein wenig Stil und Freude zu bieten, ohne das Bankkonto zu leeren. Genau das war das Versprechen des Opel Manta im Jahr 1970 — und dieses Versprechen, das achtzehn Jahre lang eingelöst wurde, machte ihn zu einem der liebenswertesten Autos der Nachkriegszeit in Europa.
Ein Coupé für jedermann
Der Manta kam im September 1970 auf den Markt, zwei Monate vor der Limousine Ascona, mit der er die technische Grundlage teilt. Die Idee: eine Serie-Mechanik mit einer eleganten Coupé-Karosserie zu kleiden — zu einem erschwinglichen Preis. Die Konkurrenz war vorprogrammiert: der Ford Capri spielte genau das gleiche Spiel. Der Kampf um die populären Coupés war entfesselt und sollte die europäischen Straßen das ganze Jahrzehnt über belebt halten.
Das Design unter der Regie des Haus-Stylisten traf genau ins Schwarze: lange Motorhaube, abgeflachtes Heck, eine Ausstrahlung wie ein auf Europa zugeschnittenes amerikanisches Coupé im Miniaturformat, mit diesen vier runden Scheinwerfern, die seine Signatur werden sollten. An Bord nichts Luxuriöses, aber ein fahrerkalibriertes Armaturenbrett und eine tiefe Fahrposition, die gleich den Ton angeben. Man kauft einen Manta nicht aus Vernunft; man kauft ihn, weil man ihn haben will.
Die erste Generation, der Manta A, verabschiedete sich nach fünf Jahren Produktion und etwa 498.000 Exemplaren. Der Manta B, 1975 präsentiert, sollte es noch besser machen: bis 1988 gebaut, wurde er das Opel-Modell mit der längsten Produktionsdauer, dreizehn Jahre lang, in über 557.000 Einheiten. Im Laufe der Jahre wurde die Palette erweitert — bis zur GT/E mit ihren etwa 110 PS aus zwei Litern, 1984 in GSi umbenannt, oder der 2000E mit Recaro-Sitzen. Auf dem Papier nichts Spektakuläres, aber ein gesundes, angenehmes, elegantes Hinterradler-Coupé mit ausgezeichneter Fahrchassis-Basis, das sich jemand mit einem durchschnittlichen Gehalt leisten konnte.
Wenn der brave Manta seine Rallye-Kombination anzieht
Denn hinter dem Image des ruhigen Coupés verbirgt sich eine andere, viel muskulösere Geschichte. Für den Motorsport entwickelte Opel den Manta 400 mit einem 2,4-Liter-Vierzylinder mit Doppelnockenwell-Nockenwellen, der in der Straßenversion 144 PS leistet. Und plötzlich verwandelt sich der brave Manta in eine gefürchtete Rallye-Waffe.
Die Bilanz spricht für sich. 1983 sicherte sich Erwin Weber am Lenkrad eines Manta 400 die Deutsche Rallye-Meisterschaft, während im gleichen Jahr in Frankreich Guy Fréquelin den Landestitel gewann. Ein Jahr später, auf den Strecken der Paris-Dakar 1984, sicherte sich die Besatzung Guy Colsoul und Alain Lopes den Sieg in der Klasse mit zwei angetriebenen Rädern und erreichte einen unglaublichen vierten Platz in der Gesamtwertung — ein Serien-Coupé oder so ähnlich, in der Wüste, vor weit raffinierterer Maschinen. Das ist Legendenbildung.
Was dieses Epos so fesselnd macht, ist der Kontext: während der Zeit der Audi Quattro und anderen Vierradantrieb-Bestien blieb der Manta 400 ein Hinterradler, treu seiner Serien-Mechanik. Er spielte mit seinen Waffen, in einem Sport in voller technologischer Eskalation — und erzielte trotzdem Punkte. Sein raues Grollen und seine verbreiterten Radkästen sind in der Erinnerung einer ganzen Generation von Spezial-Zuschauern eingegraben.
Weit mehr als ein Auto: ein gesellschaftliches Phänomen
Es gibt ein letztes Kapitel, und es ist vielleicht das schmackhafteste. In Deutschland wurde der Manta zu einem echten Kulturphänomen. Als Lieblingswagen einer leidenschaftlichen und handwerklich begabten Öffentlichkeit inspirierte er einen ganzen Folklore — der berühmte „Manta-Fahrer", der Manta-Fahrer, eine volkstümliche Figur auf halbem Wege zwischen Zuneigung und Karikatur, bis hin zur Schaffung eines erfolgreichen Films in den frühen 1990er Jahren. Nur wenige Autos können sich rühmen, die Populärkultur stärker geprägt zu haben als die Mechanik selbst.
Dieser Status als Ikone hat sich nie verändert. 2021 belebte Opel sogar den Namen mit dem Manta GSe ElektroMOD wieder, ein Elektro-Restomod mit der Silhouette des ursprünglichen Manta A, mit transformiertem Kühlergrill als Bildschirm — eine elegante Art, die Legende von gestern mit den Elektroambitionen von heute zu verbinden. Beweis genug, dass bestimmte Formen nicht altern.
Heute werden Mantas in gutem Zustand zu Preisen gehandelt, die ihre ersten Besitzer zum Lächeln bringen würden. Das Coupé für das Volk ist zum Sammlerstück geworden — der schönste Triumph für ein Auto, das nie versucht hat, als Freude nicht für alle zugänglich zu machen.
Lust, die Fahrt zu verlängern? Entdecken Sie die Broschüren und Kataloge aus der Zeit des Opel Manta — vom Manta A von 1972 bis zum GSi der 1980er Jahre — zum kostenlosen Download auf Brochure Auto.
Galerie
Photos © Calreyn88, Handelsgeselschaft, Collard, Alexander Migl / Wikimedia Commons (CC0, CC BY-SA 4.0)
- https://en.wikipedia.org/wiki/Opel_Manta
- https://lautomobileancienne.com/opel-manta-b-1975-1988/
- https://www.media.stellantis.com/fr-fr/opel/press/50-ans-de-legendes-les-opel-ascona-b-et-manta-b-des-icones-intemporelles-qui-continuent-d-inspirer


