Renault Espace: die Saga des Pioniers, der den Van erfand … bevor er sich von ihm abwandte

Es gibt Autos, die einen Platz im Katalog einnehmen, und andere, die diesen Platz erst erschaffen. Der Renault Espace gehört zur zweiten Kategorie. 1984 hat er keinen einzigen Konkurrenten – aus einem einfachen Grund: Den Familien-Van gibt es in Europa noch gar nicht. Vierzig Jahre später hat er sich in ein SUV verwandelt, verschluckt von der Welle, die er unfreiwillig selbst ausgelöst hatte. Dazwischen liegen sechs Generationen und eine schöne Lektion darüber, wie eine gute Idee am Ende immer kopiert wird.
Eine Idee, die niemand wollte
Die Geschichte beginnt bei Matra, dem Ingenieurs-Handwerksbetrieb des Motorsports, der sich auf clevere Karosserien verlegt hatte. Sein Projekt eines familientauglichen Vans mit einteiliger Karosserie wird zunächst der PSA-Gruppe vorgestellt, die es als zu riskant einstuft und in der Schublade verschwinden lässt. Renault dagegen wagt es. Der erste Espace kommt 1984 auf den Markt, gefertigt in Romorantin im Matra-Werk, mit einer Polyesterkarosserie auf verzinktem Stahlrahmen – ein Know-how, das aus dem Rennsport stammt.
Das Konzept ist eine kleine Revolution: viel Glasfläche, eine hohe Sitzposition und vor allem herausnehmbare Einzelsitze, die man entfernen oder umdrehen kann, um sich gegenüberzusitzen. Man spricht nicht mehr von einem Auto, sondern von einem rollenden Wohnzimmer. Das Publikum ist zunächst irritiert und braucht Zeit, um das Konzept zu verstehen: Die Verkaufsanfänge sind zäh, und der Legende nach fand im ersten Monat nur eine Handvoll Exemplare einen Käufer. Doch dann setzt die Mundpropaganda ein. Nach dem Facelift 1988 kommt der erste Espace am Ende auf fast 192.000 verkaufte Einheiten.
Das goldene Zeitalter des rollenden Wohnzimmers
Die zweite Generation von 1991 rüttelt nicht am Rezept – sie verfeinert es. Runder in der Form, besser motorisiert, überschreitet sie die Marke von 317.000 verkauften Fahrzeugen und etabliert den Espace als absolute Referenz eines Segments, das nun begehrt ist: Citroën Évasion, Ford Galaxy, Volkswagen Sharan und andere treten auf den Plan, bleiben aber stets in seinem Windschatten. 1996 treibt der Espace III die Raffinesse noch weiter, führt die Langversion Grand Espace ein und bleibt bis heute der letzte von Matra entwickelte und montierte Espace. Es ist auch die Zeit des offen zelebrierten Wahnsinns: das Concept Car Espace F1 von 1994, ausgestattet mit dem Drei-Liter-V10 des Williams-Formel-1-Boliden und in der Lage, in etwas mehr als zwei Sekunden von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen. Ein Van mit 800 PS – einfach nur zum Vergnügen.
2002 schlägt der Espace IV ein neues industrielles Kapitel auf: Matra verlässt die Automobilbranche, und Renault produziert seinen Familienvan erstmals selbst. Freisprechsystem, riesiges Glasdach, edle Ausstattung: Das Auto steigt in der Klasse auf und wird mit über 372.000 verkauften Exemplaren über eine bis 2015 reichende Karriere zum meistverkauften Modell der Baureihe. Auf seinem Höhepunkt muss der Espace nichts mehr beweisen.
Die SUV-Falle
Dann dreht sich der Wind. Der Van, jenes Format, das der Espace erfunden und populär gemacht hat, beginnt eine Kundschaft zu ermüden, die sich zunehmend vom aufkommenden Trend verführen lässt: dem SUV. Die 2015 lancierte fünfte Generation versucht den Spagat. Niedriger, schnittiger gezeichnet, entfernt sie sich vom Van-Konzept und präsentiert sich als „Crossover“ – auch auf die Gefahr hin, einen Teil ihrer DNA zu verleugnen. Der Plan geht nicht wirklich auf. In acht Jahren pendelt sich der Espace V bei rund 100.000 Einheiten ein – ein Armutszeugnis im Vergleich zu seinen Vorgängern.
Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand. Beim Espace VI, vorgestellt 2023, gibt Renault den Widerstand auf: Das Auto wird ganz offen zum SUV, mit sieben Sitzen, aufgebaut auf der Basis des Austral und ausschließlich angetrieben von einem 1,3-Liter-Benzin-Hybrid mit 200 PS. Der Name überlebt, doch der Geist des rollenden Wohnzimmers ist erloschen. Am Ende ist der Espace jenen ähnlich geworden, die ihn einst entthront haben.
Ein Erbe, das noch immer fährt
Sollte man darin einen Verrat sehen? Eher eine Anpassung. In vierzig Jahren hat der Espace mehr als anderthalb Millionen Fahrzeuge verkauft und vor allem einer ganzen Branche beigebracht, dass eine Familie auch anders reisen kann. Die Vans sind fast vollständig aus den Katalogen verschwunden, doch die Idee der Modularität, des intelligent genutzten Raums und des Lebens an Bord, die sie verkörperten, durchzieht heute jedes familientaugliche SUV. In diesem Sinne hat der Espace nicht verloren – er hat so vollständig gewonnen, dass seine Formel unsichtbar geworden ist, aufgegangen in der Norm. Ein Pionier stirbt nie ganz – er wird kopiert.
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Galerie
Photos © Guillaume Vachey (CC0), Vauxford, Rudolf Stricker, Alexander-93 / Wikimedia Commons (CC BY-SA)
- https://fr.wikipedia.org/wiki/Renault_Espace
- https://en.wikipedia.org/wiki/Renault_Espace


