Geschichte

NSU: Der vergessene Pionier, der der Welt seinen Drehkolbenmotor schenkte… und seine Fabrik an Audi

1 août 2026 · 4 Min. Lesezeit
NSU: Der vergessene Pionier, der der Welt seinen Drehkolbenmotor schenkte… und seine Fabrik an Audi
© Ermell / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Manche Marken erlöschen, weil sie ihrer Zeit zu weit voraus waren; NSU gehört dazu. In den 1960er Jahren bot dieser Hersteller aus Neckarsulm am Neckarufer der Welt das erste Serien-Automobil mit Drehkolbenmotor und dann eine Limousine, die so modern wirkte, dass sie aus dem folgenden Jahrzehnt zu stammen schien. Weniger als zehn Jahre später war das Kürzel verschwunden, aufgesogen von der Unternehmensgruppe, die später Audi werden sollte. Die Geschichte eines fulminanten Schicksals.

Von Strickmaschinen zu Zweirädern

Alles beginnt 1873 in Riedlingen an der Donau in einer Werkstatt, die… Strickmaschinen herstellt. Nichts deutet darauf hin, dass dieses Unternehmen zum Automobil bestimmt ist. 1880 siedelt es sich in Neckarsulm an — von wo es sein Kürzel NSU ableitet — und wendet sich dem Fahrrad zu, später dem Motorrad. Der Erfolg wird kolossal: Mitte der 1950er Jahre ist NSU schlicht der weltgrößte Motorradhersteller, mit über 350 000 Maschinen allein im Jahr 1955.

Aber Europa verändert sich. Während Familien von vier Rädern und einem Dach träumen, erschöpft sich der Motorradmarkt. NSU beschließt daher, endgültig zur Automobil zurückzukehren, ein Gebiet, das es vor dem Krieg nur gestreift hatte.

Der Prinz, das kleine Auto mit großen Ambitionen

Im September 1957 präsentiert NSU auf der Frankfurter Messe den Prinz. Ab März 1958 in Serie produziert, zielt diese winzige Limousine mit luftgekühltem Zweizylinder-Heckmotor auf die bescheidenen Budgets des sich im Wiederaufbau befindlichen Deutschland. Sein Slogan ist legendär geworden: « Fahre Prinz und Du bist König ».

Die Marke beschränkt sich nicht auf das Nutzfahrzeug. Bereits 1958 beauftragt sie Franco Scaglione bei der Turiner Karosserie Bertone mit dem Entwurf eines reizenden kleinen Coupés: der Sport Prinz, die bis 1968 in 20 831 Exemplaren gebaut wird. Es folgen der Prinz 4, der Prinz 1000 und vor allem die Sportler TT und TTS, deren Fahrverhalten im Rennsport glänzende Ergebnisse zeigt. Der kleine TT erringt nicht weniger als 29 nationale Tourenwagen-Titel von Europa bis Nordamerika.

Das Abenteuer des Drehkolvenmotors

Jetzt betritt NSU wirklich die Geschichte. Die Marke glaubt eisern an den Motor, den der Ingenieur Felix Wankel erdacht hat: eine Mechanik ohne Kolben, bei der ein dreieckiger Rotor in einer bohnenförmigen Kammer rotiert. Kompakt und leicht, mit einer bis dahin unerreichten Laufruhe, fasziniert dieser Drehkolbenmotor Ingenieure auf der ganzen Welt.

1964 bringt NSU die Wankel Spider auf den Markt, ein kleines Cabrio auf Basis des Sport Prinz. Sein einziger Rotor mit 497 cm³ entwickelt nur etwa 50 PS, und lediglich 2 375 Exemplare verlassen das Werk. Die Stückzahl ist nebensächlich: Es ist das erste Serien-Automobil der Welt mit Drehkolbenmotor, und NSU hat gerade einen Weg eröffnet, den sonst niemand zu gehen wagte.

Die Ro 80, Meisterwerk und Achillesferse

Der Höhepunkt ist die Ro 80, die im Herbst 1967 in Frankfurt enthüllt wird. Unter der Motorhaube ein Zwei-Rotor-Drehkolbenmotor mit 995 cm³, der 115 PS entwickelt und über ein halbautomatisches Getriebe ohne Kupplungspedal an die Vorderräder übertragen wird. Aber die Karosserie raubt einem den Atem: fließende Silhouette, abfallende Motorhaube, angehobenes Heck und vor allem ein Luftwiderstandsbeiwert (Cx) von 0,355, ein Wert, den viele Limousinen fünfzehn Jahre brauchen würden, um zu erreichen. Die Ro 80 wird 1968 zum Auto des Jahres gewählt, eine Premiere für einen deutschen Wagen.

Leider hält die Mechanik nicht das Versprechen des Designs. Die Dichtleisten der Rotoren, die berühmten « Apex », verschleißen vorzeitig: Kompressionsverlust, launische Starts, Ausfälle, die manchmal bereits nach 25 000 bis 50 000 Kilometern auftreten. NSU ersetzt die Motoren unter Garantie, bei manchen Kunden sogar mehrmals am selben Auto. Für einen Hersteller dieser Größe wird die Rechnung untragbar. Verstärkte Dichtungen werden das Problem um 1970 in den Griff bekommen, aber der Ruf ist ramponiert und die Kasse geleert.

Das Ende eines Namens, die Geburt eines Giganten

Am 10. März 1969 fusioniert NSU mit Auto Union, dem Mutterunternehmen von Audi in Ingolstadt, das bereits unter die Fittiche von Volkswagen gefallen ist. Aus dieser Vereinigung entsteht die Audi NSU Auto Union AG, deren Sitz sich… in Neckarsulm befindet. Die Ro 80 setzt ihren Betrieb ruhig bis zum 19. April 1977 fort: 37 398 Exemplare in zehn Jahren, und das letzte je mit NSU-Badge ausgestattete Modell. 1985 nimmt das Unternehmen schlicht den Namen Audi an.

Das Kürzel NSU verblasst, aber sein Erbe durchzieht immer noch die Industrie. Das Werk Neckarsulm ist heute einer der Flaggschiffe von Audi, wo die A6, A7, A8 und der Sportwagen R8 entstehen. Der Drehkolbenmotor, von vielen Herstellern unter Lizenz übernommen, findet bei Mazda seine längste Nachkommenschaft. Was die Aerodynamik der Ro 80 betrifft, kündigte sie bereits die stromlinienförmigen Limousinen der 1980er Jahre an.

NSU hat in wenigen Jahren alles versucht, alles gewagt. Um die Fahrt zu verlängern, bewahrt Brochure Auto die Kataloge der Marke aus dieser Zeit auf: Blättern Sie in denen der Ro 80 und allen noch verfügbaren NSU-Broschüren, vom kleinen Prinz bis zum Sport-Prinz-Coupé.

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Quellen
  • https://www.audi.com/en/press-releases/futuristic-aerodynamic-stylish-the-nsu-ro-80-15308
  • https://www.audi-mediacenter.com/en/press-releases/drive-a-prinz-and-youre-a-king-the-nsu-prinz-15275
  • https://en.wikipedia.org/wiki/NSU_Motorenwerke
  • https://en.wikipedia.org/wiki/NSU_Ro_80
  • https://en.wikipedia.org/wiki/NSU_Prinz
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